Reeg
- Familienforschung
Reeg - Der Name –
mögliche Herkunft und Bedeutung
Die Reeg
gehören offensichtlich zu den "Ureinwohnern" des hessischen Odenwalds. Ihr Ursprung liegt nach meiner Vermutung in der
Cent Kirch-Brombach der ehemaligen Herrschaft Breuberg. Im
Breuberger Land kann man die Bevölkerung der ehemals 30 Dörfer und Marktflecken
bis zu einem Zinsbuch 1426 (STAW) zurückverfolgen. Danach klafft in den
Aufzeichnungen eine
größere Lücke (W. Debor).
Ab der Türkenschatzung von
1542 und einem "Verzeichnuß der leibeigen Leut 1551" sowie dem
Salbuch von 1557 sind unter Heranziehung weiterer Quellen aus dem Staatsarchiv Wertheim die Familien - hier speziell die Reeg
- ziemlich kontinuierlich weiter zu verfolgen.
Von den im Zinsbuch von 1426
genannten anderen Familiennamen sind eine ganze Reihe heute noch im Odenwald erhalten und auch in meiner Ahnentafel zu finden (z. B. Friedrich, Hallstein, Hammann, Hübner, Schäfer, Schwinn).
Mit der Schreibweise unseres
Namens "Reeg" verwandt, dürften auch die. Familiennamen
"Rech", "Reg",
"Rege", "Reeh", "Reehe",
"Reheg", "Reh", "Rehe"
und "Rhe" sein, weil sie sicherlich auf denselben
Ursprung zurückzuführen sind. Nach W. Debor ist Reh,
Rech vielleicht eine Kurzform von "Recho"
(Eigenname?) oder ein Übername zu Reh (mdh.: rêch).Ende des
16. Jahrhunderts findet sich dann immer häufiger die Schreibweise mit doppeltem
"e" und "g" (dazu muss man allerdings wissen, dass im Odenwald "g" im Wort als auch am Ende des Wortes immer wie
"ch" gesprochen wurde). Am plausibelsten scheint mir die Ableitung
des Namens von dem mittelhochdeutschen Wort "rêch"
= Reh. Im DUDEN - "Das Herkunftswörterbuch" -
ist zu "Reh" folgendes zu lesen:
Reh s: Der altgerm. Tiername mhd.
rê(ch), ahd. rêh(o), niederl. ree, engl. roe, schwed. Rå ist z. B. verwandt mit
air. rîabach "gesprenkelt" und der baltoslaw. Sippe von lit. ráibas,
ráinas, ráimas "scheckig, graubunt, braungelb gesprenkelt". Das Reh
ist also nach der Farbe seines Felles benannt, das im Sommer rotgelb und im
Winter gelblichgrau ist.
Das "Etymologische
Wörterbuch der Deutschen Sprache", von Friedrich Kluge, 18. Auflage,
bearbeitet von Walther Mitzka, Verlag: Walter de Gruyter & Co. Berlin,
führt zusätzlich noch folgendes aus:
... In gramm. Wechsel damit steht germ.
Râi(g)jon f., worauf ahd. rêia und ags. râege ‚weibliches Reh" beruhen.
Offenbar gab es im Odenwald schon von jeher - entsprechend dem Dialekt des Dorfes - zwei unterschiedliche
Sprachformen für die Familiennamen "Reh / Reeh /Rech / Reech /Reeg",
nämlich "räij" (vielleicht
auf germ. / ahd. zurückgehende Aussprache?) Diese ist mir heute nur in Zell
bekannt, wird möglicherweise aber auch noch in anderen Dörfern gebraucht) und
"reech"
(möglicherweise zurückgehend auf das mhd. "rêch", die Sprachform, die sich letztlich stärker
durchsetzte?).
Die Aussprache des Namens Reeg,
wie "reech" - so
meine ich jedenfalls - ist über die Jahrhunderte (1425/26 Heinz Rech, Roßdorf und Catharina
Regen; 1426 Cuntz und Herbert Rege, Wallbach) bis auf den heutigen Tag, trotz unterschiedlicher
Schreibweisen mit 'g' oder 'ch', zumindest in Teilen des Odenwalds gleich
geblieben (heutige Aussprache mundartlich = "reech" >rêch< bis "reesch" - letzteres je weiter man nach Westen in
Richtung Darmstadt kommt). In manchen Dörfern aber, so z. B. in Zell,
auch noch "räij" .
Im
offiziellen Umgang und außerhalb des Odenwalds und Südhessens wird der Name "Reeg" heute allgemein wie "reek" ausgesprochen
Daneben gab (und gibt es
auch heute noch) Reh, Reeh und Rehe, als eigene Familiennamen,
die in der Odenwälder Mundart immer wie "räij" bzw. "räije" ausgesprochen
werden.
●
Mein Vorfahr Hieronymus Reeg ( rêch ), erstmals genannt 1648 in Ober-Kinzig, ist z. B. auch als "Rehe" ("räije) beurkundet. Der Weg, an dem das Stammhaus der
Ober-Kinziger Reeg steht, heißt heute Rehweg ("Räijwääch"). Er ist sicher nach meinen
dort seit dem 30jährigen Krieg ansässig gewesenen Vorfahren Rehe
/ Reeg benannt. Letztlich hat sich aber auch in Ober-Kinzig die Aussprache "Reech" (nach mhd. Rêch?) durchgesetzt.
In Vielbrunn kenne ich eine
Familie Reeg, in deren Scheune - das Anwesen ist seit
Generationen im Besitz der Familie - der Name eines Vorfahren als "Reh"
in einen Balken eingeschnitten ist. Hierzu ließen sich noch mehrere Beispiele
finden.
Weil die Namen Reeg
/ Reeh im
vorderen Odenwald auffällig häufig vorkommen gehe
ich davon aus, dass sich der Name "Reeg" (im Odenwald)
aus dem althoch deutschen "rai" bzw. dem mittelhochdeutschen "rê(ch)" (= Reh) entwickelt hat, habe ich einmal nachgeforscht, wie häufig die Rech,
Reh und Reeh; einschließlich der mir
bei meiner Familienforschung bekannt gewordenen abweichenden Schreibweisen; in
der Telefonbuch-CD der Deutschen Telekom AG vom Herbst 1997 enthalten sind.
Die Häufigkeit der Namen
Rech, Reh und deren Ableitungen:
|
Name |
Häufigkeit |
Rangfolge |
Wo findet man den Namen am
häufigsten? |
|
Rech |
2016 |
1 |
im gesamten Bundesgebiet |
|
Reech |
15 |
9 |
in der Lausitz, Berlin |
|
Reeg |
430 |
4 |
Hessen (Odenwald), Mittelfranken, um
Coburg (Oberfranken, Thüringen) |
|
Reeh |
620 |
3 |
Hessen (Odenwald) |
|
Reehe |
11 |
10 |
Marktbreit, Würzburg |
|
Reg |
30 |
6 |
um Coburg (Oberfranken) |
|
Rege |
17 |
8 |
Allgäu Berlin, Hamburg |
|
Regh |
155 |
5 |
Euskirchen |
|
Reh |
1541 |
2 |
im gesamten Bundesgebiet |
|
Rehg |
25 |
7 |
in der Pfalz |
Die Häufigkeit und die
räumliche Verteilung der Namen Rech und Reh
im ganzen Bundesgebiet spricht m. E. dafür, dass diese die Ursprungsnamen sind
und schon seit Jahrhunderten (seit es Familiennamen gibt), im deutschen
Sprachraum häufig anzutreffen waren, während die nicht so häufig vorkommenden
Schreibweisen Reech, Reeg, Reeh,
Reehe, Reg, Rege, Regh, und Rehg
sich örtlich daraus ableiteten. Es waren die Pfarrer und die Behörden- und
Gerichtsschreiber, die den Namen "hochdeutsch" so niederschrieben,
wie sie ihn in der Mundart gehört und verstanden hatten. Einheitliche Rechtschreibregeln gab es ja ohnedies noch nicht und Familiennamen
wären davon auch nicht betroffen gewesen. Erst mit der Einführung der Standesämter
in Deutschland im Jahr 1876 hat sich die Schreibweise der Namen verfestigt.
(Zu den früher auch
gelegentlich im Odenwald vorkommenden Schreibweisen des Namens Reheg
und Rhe konnte ich in der mir zur Verfügung stehenden
Literatur nichts finden.)
Ich habe auch untersucht wie
oft der Name Reeg (Anzahl der Haushalte mit Telefonanschluss) in den
einzelnen Bundesländern vorkommt. Und das ist dabei herausgekommen:
Reeg-Haushalte (mit Telefonbucheintrag) in den einzelnen
Bundesländern im Jahr 1997
In der Telefonbuch-CD der
Deutschen Telekom AG vom Herbst 1997 sind ca. 430 Reeg-Haushalte aufgeführt. Da die meisten Haushalte heute
Telefonanschluß haben, bin ich von einer fast vollständigen Erfassung
ausgegangen (die Zahl der tatsächlich vorhandenen Haushalte dürfte geringfügig
höher liegen, grob geschätzt bei etwa 450).
Die Haushalte verteilen sich
(unter Inkaufnahme geringfügiger Unschärfen) etwa wie folgt auf die einzelnen
Bundesländer:
|
Baden-Württemberg: . |
23 |
Überwiegend in den Städten
Mannheim, Stuttgart, Öhringen, Pforzheim, Rastatt, Karlsruhe; der Rest
verteilt sich weiträumig |
|
Bayern: |
105 |
Einige davon in München
(Oberbayern) die Mehrzahl in Mittelfranken - vorwiegend um Nürnberg, Bad
Windsheim , einige in Oberfranken - um Coburg -, einige in Unterfranken - um Aschaffenburg
(Ausstrahlung aus dem Odenwald) und Schweinfurt (meine Familie und eine Familie
aus Mittelfranken). |
|
Berlin: |
8 |
|
|
Brandenburg: |
0 |
|
|
Bremen: |
0 |
|
|
Hamburg: |
3 |
|
|
Hessen: |
243 |
Davon ca. 95 v. H. in
Südhessen um Darmstadt (Odenwald), Frankfurt/Offenbach (Taunus,
Rhein-Main-Gebiet); der Rest verteilt sich auf das nördliche Hessen. |
|
Mecklenburg-Vorpommern: |
0 |
|
|
Niedersachsen: |
12 |
|
|
Nordrhein-Westfalen:
|
16 |
|
|
Rheinland-Pfalz: |
24 |
Die Mehrzahl in Mainz,
Worms und Umgebung (also auch noch im Rhein-Main-Gebiet), der Rest in der
Südpfalz um Landau. |
|
Saarland: |
0 |
|
|
Sachsen: |
3 |
|
|
Sachsen-Anhalt: |
1 |
|
|
Schleswig-Holstein: |
0 |
|
|
Thüringen: |
12 |
Davon ca. 50 v. H. im
Thüringer Wald (noch im Großraum Coburg), ca. 41 v. H. in Altenburg. |
Der Schwerpunkt liegt ganz
eindeutig in Hessen und dort im vorderen Odenwald! Die
Häufigkeit und räumliche Verteilung der Namen lässt m. E. den Schluss zu, dass
das Stammland der Reeg der (seit 1810) hessische Odenwald ist. Meine
ursprüngliche Vermutung, der Name entstamme dem Niederdeutschen, habe ich
danach nicht mehr weiterverfolgt. Die Reeg in Mittelfranken treten erst gegen Beginn des 18. Jahrhunderts erstmals in Erscheinung.
Die Reeg um Coburg
und in Hofheim/Ufr. sowie die im
Elsaß („Hanauer
Ländchen“) und der räumlich nahen Eifel
um 1600, also erheblich später als im Odenwald.
Die mit dem Programm „Geogen“ nach dem Stand des Telefonbuchs 2002 erstellte Grafik
▼
(klicken)
„Verteilung
des Namens Reeg in den Bundesländern“
bestätigt das Ergebnis meiner eigenen Recherchen aus
dem Jahr 1997.
●
Dazu schrieben mir
aufmerksame und fachkundige Besucher dieser Seite:
Herr Georg Freiling, ein Hobby-Familien- und Dialektforscher aus Zell im Odenwald, schrieb mir hierzu am 14. Januar 1998:
"Reeg : Ihre etymologischen
Recherchen (Reh) werden untermauert durch die Zeller Mundart: Hier heißt die
Familie Reeg "räij", "ins räije" (= zu den Reegs hingehen), der "räije Päirer"
(= der Reegs Peter), was gleichlautend
ist mit dem Tier Reh."
●
Ein Namensvetter aus dem "hohen
Norden" (Cuxhaven), dessen
Vorfahren aus dem Odenwald stammen, schrieb mir:
„Reeg - ist zwar ein niederdeutsches
Wort aber kein niederdeutscher Name. Ich lebe seit gut 36 Jahren im Großraum
Hamburg. Wenn ich meinen Namen nenne, werde ich zum Buchstabieren aufgefordert
und ernte blankes Erstaunen wegen der Schreibweise. Außerdem belegen das die
Telefonbücher der norddeutschen Großstädte. Alle Namensvettern mit denen ich
gesprochen habe (darunter auch ein Kollege aus Hameln) wussten, dass ihre
Vorfahren aus dem mittleren Odenwald stammten.
Und das sagt mein niederdeutsches
Wörterbuch darüber aus:
Reeg, Re, f., pl. Regen, Reihe,
Ordnung; huten de R. außer der Reihe, dat is in (bei) de R. es ist in Ordnung, mit
in de R. sitten in der Gemeinschaft mitmachen, in de R. maken etw. in Ordnung
bringen reeglangs, adv.; der Reihe nach
Im niederdeutschen Sprachraum taucht
-"reeg" oder "-"Reeg" gelegentlich als Endsilbe von
Straßennamen auf wie z. B. "Besenreeg" in Hamburg-Finkenwerder. Durch
Zufall bin ich einmal mit der Aufgabe eines "In-de-Reeg-Mokers bekannt gemacht
worden; er war der Bühneninspizient einer Niederdeutschen Amateurbühne.“
●
Konrad Mülbert, ein Heimatkundler, der im Spessart zu Hause ist und
über eine reichhaltige Bibliothek über den Odenwald verfügt, schrieb mir im
Oktober 2000:
„... ich habe mir Deine Erklärung des
Namens Reeg angeschaut; sie überzeugt mich nicht. Die Herleitung von Reh mit
der Begründung diverser Dialektformen wird von den Schreibformen nicht gedeckt.
^sraeich^t z. B. würde als Namensform Rei(s)ch geschrieben. Mich überzeugt das
nicht. Ich denke eher an Orts- oder Flurnamen.
Heute Nachmittag habe (ich) mir die
gedruckten Rechnungen für die Grafen von Wertheim in der Herrschaft Breuberg
(1409-1484) angeschaut. Die Schreibweisen der Ortsnamen als Beispiel, die
(relativ) wenigen Familiennamen lassen nirgends erkennen, dass Sprache und
Schreibweise signifikant auseinander fallen.
Ich kann Dir zwar keine Lösung
anbieten, dennoch wollte ich Dir meine Bedenken nicht verschweigen.“
●
Herr Gerald Wassum schrieb im Juli 2001:
„Es zeigen die
Eintragungen in den Breuberger Rechnungen (W. Wackerfuß: Kultur-, Wirtschafts-
und Sozialge schichte des Odenwaldes ...
Breuberg - Neustadt1991) für 1483/84 den Namen "Resche" (S. 384) als
Zahler für Wiesennutzung (in Höchst?) und in den Ausgaben an Hafer für 1418/19 erscheint der Begriff "reer" für
Plural Rehe im Zusammenhang mit einer Treibjagd (S. 271). Diese beiden Textstellen
sind in etwa aus derselben Zeit, und sie führen auf eine weitere mögliche
Erklärung des Namens Reeg: Nämlich keine Ableitung aus "re(ch)", sondern
aus mhd. "resch/resche" für schnell, behende, munter ... (vgl. das
Stichwort in . M. Lexer, Mittelhochdeutsches Taschenlexikon), unser heutiges
rege.
Vielleicht klingt dieser Ansatz im
ersten Moment etwas überraschend. Aber es ist zu bedenken, dass auch die von
Ihnen erwähnten älteren Schreibformen ab 1425 mehrheitlich "Reche, Rege
Reg" lauten. Hinzu kommt noch, dass bei Simon (Die Geschichte der Grafen
zu Erbach) im Urkundenteil für den Ort Rehbach (bei Michelstadt) folgende
Schreibweise erscheint: 1113 "Rebac" (S.3) und 1395
"Repach" (S. 135) sowie für ein Rehenthal 1372 "Rehendal"
(S.87). Somit ist mit
großer Wahrscheinlichkeit
belegbar, dass zu dieser Zeit im Odenwald "Reh" nicht
"rech" hieß bzw. geschrieben wurde. Was das "Südhessische
Wörterbuch" von R. Mulch und das "Deutsche Wörterbuch" von J. u.
W. Grimm zu "Reh" und "rege" sagen, müsste noch geprüft
werden“.
●
Zunächst lasse ich das alles
so einmal stehen. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit in der hier
angesprochenen. Literatur-Recherchen anzustellen. Aber ich bleibe dran.
Nochmals meinen Dank an Konrad
Mülbert und Gerald Wassum. Besonders das, was letzterer mir mitteilte, ist ja
nicht von der Hand zu weisen.
Um eine "Klippe"
bin ich aber noch nicht herumgekommen: Warum z. B. die Namen "Reeh
,Rehe, Rech oder Reeg" belegbar für ein
dieselbe Person schriftlich verwendet wurden und warum in dem einen Dorf der
Name wie Reh (Odenwälder Mundart: "Räij")
und im anderen Dorf bei gleicher Schreibweise (Reeg) "reech" ausgesprochen wird.
●
Am 5. September 2001
erhielt ich wieder eine Nachricht von Gerald Wassum.
Er will mir helfen diese "Klippe" zu umschiffen:
„Zuerst zur unterschiedlichen
Aussprache der Odenwälder Mundart: Dies ist eine Tatsache; es gibt
"Ortsdialekte" (vgl. G.
Freiling, "Zur Odenwälder Mundart", Erbach 1999, S. 1), die jedoch
unter den Odenwäldern gegenseitig (leicht) verstanden werden. Auch ich habe als
gebürtiger Michelstädter in meiner Jugend bei Verwandten und Mitschülern aus
anderen Orten diese Beobachtungen gemacht. Beispiel "Regen":
Michelstadt "Räsche", Zell: "Räje“ (Anmerkung von Arthur Reeg: Diese Feststellungen decken sich
mit meinen Erfahrungen mit der Odenwälder Mundart). Ob diese Unterschiede in alter Zeit
ebenfalls existierten, müsste noch speziell untersucht werden. Gründe für
solche Ausspracheunterschiede liegen vielleicht in den im Laufe früher Jahrhunderte
im Odenwald erfolgten Bevölkerungszuwanderungen (Z. B. Alemannen, Franken) bzw.
Besiedlungseinflüssen.
Nun zur unterschiedlichen Schreibweise:
Wenn verschiedene Schreiber - selbst sogar gleiche Schreiber , aber zu späteren
Anlässen - am Werk waren, gab es oft unterschiedliche Schreibweisen für ein und
denselben Namen. Gründe: Es gab keine (gesetzlich) vorgeschriebene Schreibweise
für Namen. Jeder schrieb so gut er konnte oder wollte, auch so wie er einen
Befragten aus dessen Mund verstand. Oft auch so, wie er es zu Hause in anderen
Regionen bei anderem Dialekt gelernt hatte. In der Herrschaft Breuberg und in
der Grafschaft Erbach stammten (zumindest belegbar ab dem Zeitraum von
geordneten und überlieferten amtlichen Aufzeichnungen, also ab 1300 bis 1400)
etliche der amtlichen Schreiber, Beamten, Pfarrer etc. aus anderen deutschen
Regionen. Dies kann man aus den bereits von mir erwähnten Büchern von Simon
Wackerfuß und verschiedenen Texten von Friedrich Höreth in "Die
Heimat", monatliche Beilage zur Odenwälder Heimatzeitung, entnehmen.
Selbst erfahrene Beispiele mit "Wassum": Ein Schreiber aus
NW-Deutschland 1550 "Wassam", ein Pfarrer aus Thüringen 1620
"Wasung"
●
Weil ich es genauer wissen
wollte, gab ich bei der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden ein
Gutachten in Auftrag, das ich im November 2001 erhalten habe:
Namensgutachten der
Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) Wiebaden
Beim Namen Reeg handelt es sich um einen
Familiennamen, der verschiedene Erklärungsmöglichkeiten zulässt. Je kürzer eine
Namensform ist und je mehr Schreibvarianten vorliegen, desto schwieriger wird
es, den eigentlichen Ursprung des Namens zu finden. Schon in alter Zeit wurden
ähnliche Kurznamen vermischt. Dies sieht man an den verschiedenen Schreibvarianten
Reeg, Rech, Reh, Reeh, Rege, Regen, Rehe, Reche oder auch Reck.
Jede einzelne Namensform kann einen eigenen Ursprung
und damit eine eigene Erklärungsmöglichkeit haben. Die Namensformen sind aber
ebenso als Schreibvarianten eines Namens belegt. Wichtig ist somit, für Ihren
Namen Reeg die Ur- oder Ausgangsform zu finden, die dann
Aufschluss über die Herkunft des Namens gibt.
Da wir die Familiennamen im Allgemeinen betrachten, können
wir hier nur die möglichen Deutungen aufführen. So kann es sich beim Namen Reeg in dieser
Schreibweise um einen Familiennamen aus einer Rufnamensform Reeg handeln,
aber ebenso um einen Familiennamen aus einer Herkunftsbezeichnung zum Ortsnamen
Reeg (in einigen Fällen auch um eine
Wohnstättenbezeichnung zu einem Örtlichkeitsnamen Reeg) und aus
einem sogenannten Übernamen bzw. auch Berufsübernamen.
Familiennamen aus Rufnamen konnten dadurch entstehen,
dass dem Rufnamen einer Person der Rufname einer anderen Person, in der Regel
der des Vaters, als Beiname (meist in der Form 'Sohn des ...,') nebengestellt
wurde. Dieser anfänglich auf eine Person bezogene Beiname konnte dann auch auf
die nachfolgenden Generationen übertragen werden und sich im Laufe der Zeit zum
Familiennamen verfestigen. In die Familiennamenbildung gingen nicht nur
Vollnamen, sondern auch Kurz- und Koseformen von Rufnamen ein.
So lässt sich der Familienname Reeg auf eine
patronymische Namensform zum Kurznamen Ragio/Rago bzw. Raco/Recco zurückführen,
der wiederum eine Kurzform von einem mit Ragan-, Ragin- (zu
gotisch ragin ,Rat', auch altnordisch regin ,die
ratschlagenden, welterneuernden Gewalten, die Götter') anlautenden Rufnamen wie
z.B. Raganher/Raghar(Reiner), Raginhart (Reinhart) oder Raginald (Reinold) ist.
So konnte der altdeutsche Rufname zu Rag(an)her mundartlich
zu Rager, Raker, Reger, Reeger und auch Reyger (auch in
Anlehnung an bekanntere Bezeichnungen wie z.B. der ,Reiher' mit seinen
Mundartformen 'Ragel, Reiger, Re(e)ger, Rayher', da die
alten mit Rag(an)- anlautenden Rufnamen schon im
Mittelalter nicht mehr oder kaum bekannt waren) verändert werden.
Auch die Kurzformen Rag(i)o/Raco/Recco wurden zu Ragg, Raak, Rake, Rache, Ra(a)ch, Reck, Recko, Recke, Rech, Recho, Reeg, Reg, Regg, Rege, Rey, Reh(e) und mit
Verkleinerungsendung zu Reeglin und Regele verändert.
Diese Namensformen konnten nun auch in die Familiennamenbildung eingehen. Es
gibt heute neben den Familiennamen Rager, Reger, Reeger, Reyger
auch Recke, Rehe, Reh, Rech, Reg, Reeg u.ä., die auf den oben ge nannten Rufnamen zurückgehen.
Diese Namen wurden dann aber häufig auch mit
ähnlichen Namensformen vermischt, wie z.B. mit dem mittelhochdeutschen rech in
der Bedeutung 'Reh'. So wurde z. B. der altdeutsche
Rufname Raganwin/Rachwin (belegt
noch im 11./12. Jahrhundert vor allem im Südosten Deutschlands) auch zu Rehbein und Reinwein umgedeutet,
wobei der Name Rehbein ebenso ein Übername für eine
feingliedrige und flinkfüßige Person sein konnte.
Familiennamen aus Übernamen benennen den Namensträger
nach seinen körperlichen, geistigen und charakterlichen Eigenschaften oder nach
besonderen Verhaltensauffälligkeiten und anderen Ereignissen, die auch mit
seiner Tätigkeit in Verbindung stehen können. Diese sind als Berufsübernamen
oder indirekte Berufsnamen bekannt. Indirekte Berufsnamen unterscheiden sich
von den eigentlichen Berufsbezeichnungen dadurch, dass sie eine Person nach
ihren berufstypischen Werkzeugen, Arbeitsmaterialien, Produkten usw. benennen.
So konnte u. a. der 'Vogelhändler' nicht nur mit Vog(h)elere, sondern
auch mit Vog(h)el, ein 'Falkner' neben
Valkenere auch mit Valke und ein Jäger' ebenso mit Reeh,
Reh, Rech und sogar Re(e)g benannt
werden. Aus heutiger Sicht kann man die Berufsübernamen nicht immer eindeutig
von den einfachen Übernamen unterscheiden.
So konnte mit Re(e)h/Rech/Re(e)g/Rhee in
Anlehnung an das mittelhochdeutsche rêch und
mittelniederdeutsche rê ,Reh auch ein ,schlanker, zierlicher oder
beweglicher Mensch' bezeichnet werden (vgl. dazu z.B. schon 1327 ein Chuonrad
dictus Rech als Bauer bei Meßkirch und 1482 Reh,
Reeh in Krombach). Im Allendörfer Jagdbuch (1493)
werden neben Ricke und Ziege auch Reh/Reeh als Übernamen
genannt.
Beim Namen Reeg kann es
sich aber ebenso um einen Familiennamen aus einer Herkunftsbezeichnung zum
Ortsnamen Reeg handeln.
Familiennamen aus Herkunftsbezeichnungen zu Ortsnamen
benennen den Namensträger mit dem Namen des Ortes, aus dem er in einen anderen
zugezogen ist. Anfänglich wurden diese Ortsnamen noch mit solchen die Herkunft
anzeigenden Präpositionen wie z.B. von, (auch niederländisch-niederdeutsches) van,
aus, zu/t(h)o oder (lateinisches) de
gekennzeichnet. Diese fielen dann aber im Laufe der Zeit aus und es blieb der
reine Ortsname oder auch eine abgewandelte Form (häufig mundartlich
beeinflusst) des Ortsnamens im Familiennamen erhalten. Häufig wurde dem
eigentlichen Ortsnamen noch eine die Herkunft aus diesem Ort anzeigende Endung
-er angefügt (vgl. dazu die Namen Breslauer, Bamberger u. ä.).
Mit unseren Hilfsmitteln konnten wir einen Ortsnamen Reeg
bei Neustadt über Linz (Anmerkung von Arthur Reeg: Mir ist auch ein kleiner
Weiler "Reeg", inzwischen eingemeindet Nach Neustadt an der Wied,
bekannt) bzw. einen Reeghof im Amt Asbach im Rheinland (Westerwald)
nachweisen.
Familiennamen aus Herkunftsbezeichnungen haben sich
meist im näheren Umkreis des Ortes herausgebildet, aus dem der erste Namensträger
ursprünglich kam und nach dem er im neuen Ort benannt wurde. Wenn Ihre
Vorfahren aus dem Rheinland bzw. Westerwald kamen, sollte von dieser
Erklärungsmöglichkeit für den Namen Reeg ausgegangen
werden.
Nicht immer eindeutig abzugrenzen sind die
Familiennamen aus Herkunftsbezeichnungen zu Ortsnamen von denen aus
Wohnstättenbezeichnungen und Örtlichkeitsnamen. Familiennamen aus
Wohnstättennamen kennzeichnen den Namensträger in der Regel nach der Lage
seiner Wohnstätte oder seines Hofes in einer bestimmten Landschaft, Flur oder
an einer markanten Stelle. Wohnstättenbezeichnungen kamen zuerst beim Adel als
Hinweis auf den Stammsitz bzw. Besitz der Familie auf Seit dem 14. Jahrhundert
setzten sich diese aber auch bei der ländlichen Bevölkerung durch. Später kamen
in den Städten dann auch Familiennamen aus Häuserbezeichnungen auf Die
Wohnstättenbezeichnungen wurden meist mit solchen Präpositionen wie z.B. von/van, vor,
im, auf unter, aus, vor, zu/zum, ten/ter, bei, an/am u. a.
gebraucht. Diese konnten dann im Laufe der Zeit ausfallen oder in einer zusammengezogenen
Form in den Familiennamen eingehen. In Gebieten mit Einzelhofsiedlung, wie z.B.
im westfälisch-niedersächsischen Raum, wurde seit
dem 15. Jahrhundert häufig bei Erwerb eines Hofes der Familienname abgelegt und
der Hofname als neuer Familienname geführt, da die Hofnamen in der Regel fest waren
(vgl. dazu z.B. den folgenden Beleg aus dem 15. Jahrhundert in einem Kopiare
der Kirchenregistratur Kappel: Cordt Merihusen, der nu tor Tidt het van
des Haves wegen Cordt Hesse).
So kann der Familienname Reeg auf den Hofnamen
Reeghof bei Asbach zurückgeführt werden. Hofnamen gehen
häufig (wie auch die Wohnstättennamen) auf Geländebezeichnungen zurück (vgl.
dazu z.B. Waldhof Mooshof usw.), können aber ebenso aus Personennamen
entstanden sein (so z.B. Brennerhof nach dem Besitzer mit dem Familiennamen
Brenner u.ä.).
Im Namen Reeghof ist ein
Flurname Reeg enthalten, der auf das häufigere 'Rech'
zurückgeführt werden kann und mit dem bekannteren 'Rain'
zusammenhängt. Die regional unterschiedlichen Flurnamen 'Renn/Rein/Rain' wurden
meist in der Bedeutung 'Abhang', abschüssiger Rand eines Ackerstückes; eine mit
Gras bewachsene Bodenerhöhung zwischen Äckern und Grundstücken und im Süden
auch als 'lang sich hinziehender Abhang' (Rain) gebraucht. Am Rhein und in Westfalen entsprechen
dem die Flurnamen 'Reck, Recke, Reeg, Rech, Regen, Reegte' (vgl. dazu
auch das niederdeutsche 'recke', das
altfränkische 'rech' das hessische 'rîk,
reck' und das nassauische 'rech') in der
Bedeutung ,gestreckte Länge', 'Reihe' oder auch 'lebende Hecke am Rande eines
Grundstücks bzw. daran liegender Rasenstreifen' und auch ,Abhang'.
Im Odenwald ist der Flurname meist in der Schreibweise 'Rech' in der Bedeutung 'Rain' verbreitet (vgl. dazu z.B. die Flurnamen 'Blumenrech, mit Blumen überwachsener